Zur Malerei von Peter Handel                
 
Geprägt von der Geisteshaltung und der daraus resultierenden Bildersprache der amerikanischen Fotorealisten
der siebziger Jahre, die forderten, die visuelle Wirklichkeit des Alltags genauestens zu registrieren und jedes Detail,
sei es vom Menschen oder vom Gegenstand, gleichberechtigt bildwürdig in Szene zu setzen, ohne dabei Emotionen
anzusprechen, erweiterte Handel sein bildnerisches Spektrum von Beginn an genau um diesen Aspekt.
 
Denn bereits in seinen Anfängen hatte er sich von den malerischen Möglichkeiten faszinieren lassen, die es ihm
gestatteten, unterschiedliche Ebenen der Wirklichkeit - realistische und idealistische - einander gegenüberzustellen,
sie neben - oder hintereinander zu montieren, Ähnliches zu Ähnlichem zu gesellen oder aber Gegensätzliches in
scharfen Kontrast zueinander zu setzen.
 
Eine Spannung zwischen diesen eigentlich grundsätzlich konträren Wirklichkeitsebenen zu erzeugen und
auszubalancieren, wird für Handel zu einem zentralen Thema.
 
So lässt er zwei verschiedene Bereiche aufeinandertreffen, grenzt beispielsweise hyperrealistische Feinmalerei
unvermittelt ab gegen großzügige Flächen bewegten Pinselstrichs.
In seinen Fernsehbildern, die das laufende Bild, verzerrt und farblich verändert, für eine Sekunde anhalten.
Beherrschend ist hier die grelle, satte, aber auch transparente Farbigkeit, entstanden durch eigene fotografische
Experimente.
Die Idee, die Fotografie als Bild vor dem Bild optisch einzusetzen, hatte Handel schon früh, als er sich malerisch
mit dem weiblichen Körper auseinanderzusetzen begann und für ihn neben Themenbereichen wie den bewegten
Medienbildern, dem Stilleben oder dem Portrait die Aktmalerei zu einem zentralen Thema wurde.
 
Zwar immer noch fasziniert von der makellosen, aber auch stereotypen Erscheinung des medialen Aktmodells,
wendet sich Handel später mehr und mehr weg vom Klischee hin zum realen Gegenüber und erforscht dessen
sinnliche Präsenz in Blick, in seiner Haltung, Gestik und Bewegung.
 
Die erotische Ausstrahlung der wirklichen, unbekleideten Schönheit wird durch die Malerei nun spürbar gemacht.
Ursula Vethacke, M. A.